TrĂŒffelanbau

 

1. Ausgangssituation

Die Landschaft der Gemeinde Mompach ist durch die ebenen Plateau-Lagen und die steilen DolomithĂ€nge im Tal der Sauer geprĂ€gt. WĂ€hrend bis vor wenigen Jahrzehnten sowohl die Plateaulagen als auch die Steillagen landwirtschaftlich genutzt wurden – an den HĂ€ngen wurde Terrassenweinbau und Streuobstbau betrieben – sind die Hanglagen heute verbracht und die natĂŒrliche Sukzession schreitet voran. Auf den Plateaulagen wurde die landwirtschaftliche Nutzung hingegen weitgehend intensiviert. In der Landschaft spiegelt sich somit die typische Entwicklung europĂ€ischer Kulturlandschaften wider – zum einen die Intensivierung gĂŒnstiger Standorte und zum anderen die Wiederwaldung unrentabler Lagen. Somit gehen jedoch auch die Elemente der traditionellen Kulturlandschaft verloren und alte Nutzungsformen verschwinden, ein Verlust aus natur- und denkmalschutzfachlicher wie auch aus soziokultureller Sicht.

Die Mitglieder der Ënnersauer a.s.b.l. möchten diesen Verlust aufhalten und setzen sich deshalb fĂŒr den Erhalt der wertvollen Kulturlandschaften ein. Neben den traditionellen Landnutzungen des Wein- und Streuobstbaus wurde zudem ĂŒber neue Nutzungsformen nachgedacht. Dazu gehörte beispielsweise die Anlage von TrĂŒffelkulturen, indem geeignete FlĂ€chen mit Haselnuss-StrĂ€uchern und EichenbĂ€umen bepflanzt werden, deren Wurzeln mit dem TrĂŒffelpilz infiziert wurden. Es handelt sich hierbei um eine klassische Symbiose, beide – Wirtspflanze und TrĂŒffelpilz – profitieren voneinander. WĂ€hrend die Haselnusspflanze oder Eiche ihren Partner mit Kohlenhydraten versorgt, verbessert der Pilz durch seine AbbautĂ€tigkeit die NĂ€hrstoffversorgung der Pflanze. Einmal ausgepflanzt, liefern die HaselnussstrĂ€ucher nach fĂŒnf bis sechs Jahren die ersten TrĂŒffelertrĂ€ge. Die volle Ernte ist nach sieben Jahren zu erwarten.

Nachdem zwei geeignete FlĂ€chen, die sich in Gemeindeeigentum befinden, gefunden wurden, wurde das Pilotprojekt zum TrĂŒffelanbau im FrĂŒhjahr 2013 ausgearbeitet und als Antrag bei LEADER eingereicht.

 

2. DurchgefĂŒhrte Maßnahmen und AktivitĂ€ten

(1) Pachtvertrag mit der Gemeinde

Ein erster Schritt zur Umsetzung des Projektes war die Ausarbeitung eines Pachtvertrages zwischen der Gemeinde und der Ënnersauer a.s.b.l., damit die FlĂ€chen fĂŒr die TrĂŒffelkultur genutzt werden können. Dieser Schritt wurde parallel zur Projektantragstellung in die Wege geleitet.

 

(2) GenehmigungsantrÀge bei den zustÀndigen Ministerien

Voraussetzung fĂŒr die Umsetzung des Projektes war - laut Genehmigung des LEADER-Antrages – die Zusammenarbeit mit der ASTA und dem Ministerium fĂŒr Umwelt.

 

(3) Analyse des Bodens auf zwei Parzellen

Ein wichtiger Faktor fĂŒr das Wachstum von TrĂŒffel ist der pH-Wert des Bodens. Zu Beginn des Projektes, im Oktober 2013, wurde daher von einem Labor eine Bodenanalyse der beiden ausgewĂ€hlten FlĂ€chen durchgefĂŒhrt. Die Ergebnisse der Analyse waren beide positiv, sprich der pH-Wert des Bodens war in dem Bereich, der sich fĂŒr das TrĂŒffelwachstum eignet.

 

(4) Auswahl der geeigneten TrĂŒffelsorte

In Betracht der pH Werte, der Organik und Lehmanteil der Böden auf den zwei Parzellen, wurden folgende StrĂ€ucher / BĂ€ume respektive TrĂŒffel zurĂŒckbehalten:

TrĂŒffel: Tuber uncinatum auch genannt Truffe de Bourgogne , Truffe grise de Bourgogne oder Truffe de Lorraine oder Truffe de Champagne .

StrÀucher: Haselnussstrauch

BĂ€ume: Hainbuche

Da die von den Bodenanalysen bestimmten Bodenwerte von den idealen Bedingungen abweichen, eignen sich die die Tuber melanosporum (Truffe du PĂ©rigord) und Tuber mesentericum (Bitumen TrĂŒffel) nicht fĂŒr die beiden Standorte in Givenich und Boursdorf.

 

(5) Exkursion

Da es bislang weder in der Region MĂŒllerthal noch im Land Erfahrungswerte mit den TrĂŒffelkulturen gibt, war der Erfahrungsaustausch mit einem TrĂŒffelanbauer sehr wichtig. Da Frankreich neben Spanien und Italien zu den klassischen LĂ€ndern mit TrĂŒffelkulturen zĂ€hlt, wurde eine relativ nah gelegene TrĂŒffelplantage in Saint-Remy besucht. .

Am 29. November 2013 fand die Exkursion in die „TruffiĂšre“ in Saint-Remy statt an der 19 Personen teilgenommen haben. Vor Ort konnten sich die Exkursionsteilnehmer ein Bild einer TrĂŒffelplantage machen und bekamen von dem TrĂŒffelbauern ErlĂ€uterungen zu der Anlage. Diskutiert wurden die Wahl der TrĂŒffelsorte sowie die langfristige Pflege der StrĂ€ucher.

 

(6) Infoversammlung ĂŒber das Projekt 

Auf einer Versammlung am 17. September 2014 in Herborn informierten die Verantwortlichen der Ënnersauer a.s.b.l. die Chance, ĂŒber die nĂ€chsten Schritte im Projekt zu informieren und neue Mitglieder fĂŒr den Verein zu werben, die sich aktiv an dem innovativen Projekt beteiligen möchten.

 

(7) Vorbereitung der FlÀchen und Pflanzung der StrÀucher und BÀume

Nachdem alle Genehmigungen von den zustĂ€ndigen Ministerien vorlagen mussten umfangreiche Vorbereitungsmaßnahmen auf den beiden FlĂ€chen von 120 Ar fĂŒr die Bepflanzung mit HaselnussstrĂ€uchern und Hainbuchen durchgefĂŒhrt werden. Das GelĂ€nde musste entbuscht und der Boden fĂŒr die Pflanzungen vorbereitet werden. Sehr wichtig war darĂŒber hinaus auch die EinzĂ€unung der beiden Parzellen, um das Wild – insbesondere Wildschweine – von den Pflanzen und den TrĂŒffeln fern zu halten. Die Arbeiten wurden mit der UnterstĂŒtzung der Jongenheem a.s.b.l. - Centre d'Insertion et de RĂ©insertion Professionnelle – CIRP, durchgefĂŒhrt.

Am ersten Oktober-Wochenende 2014 wurden von knapp 20 Vereinsmitglieder insgesamt 900 HaselnussstrĂ€ucher, deren Wurzeln mit dem TrĂŒffelpilz infiziert sind, und 25 Hainbuchen auf den beiden FlĂ€chen gepflanzt. Die Pflanzen wurden als 2jĂ€hriger Strauch bzw. als Baum gekauft, deren Wurzeln mit dem Pilzgeflecht der gewĂ€hlten TrĂŒffelart geimpft sind. Die fĂŒr die TrĂŒffelkultur in Mompach gewĂ€hlte Art ist die „Truffe de Bourgogne“ (Tuber uncinatum). Die StrĂ€ucher wurden mit SchutzhĂŒlsen gegen Verbiss geschĂŒtzt.

In Zukunft fallen vor allem regelmĂ€ĂŸige Pflegearbeiten an. Dazu zĂ€hlen beispielsweise das Freihalten der Pflanzgassen, der Unterhalt des Bewuchses (Gras,
) zwischen den Pflanzenreihen, das Schneiden der StrĂ€ucher und BĂ€ume sowie bei Bedarf Pflanzenschutz. Die Mahdarbeiten sollen vorzugsweise im SpĂ€tsommer erfolgen. In den ersten Jahren soll eventuell zwei Mal gemĂ€ht werden, um das Anwachsen der StrĂ€ucher zu fördern, anschließend aus NaturschutzgrĂŒnden im SpĂ€tsommer und nur noch einmal im Jahr. Auch Neupflanzungen können in den Folgejahren notwendig werden.

 

 

 

3. Ziele

Die im Projektantrag formulierten Ziele konnten erreicht werden:

  • Pflanzung von Haselnuss-StrĂ€uchern und Hainbuchen, deren Wurzeln mit dem TrĂŒffelpilz geimpft sind auf zwei Parzellen in der Gemeinde Mompach (GesamtflĂ€che 120 Ar)
  • Aufbau einer TrĂŒffel-Plantage sowie deren Pflege und Unterhalt
  • Langfristig: Diversifizierung des Angebotes an regionalen Produkten.

Der Erfolg der im Projekt durchgefĂŒhrten Maßnahmen ist erst auf lange Sicht abzuschĂ€tzen. Mit einer ersten TrĂŒffelernte kann in fĂŒnf bis sieben Jahren gerechnet werden.

 

Das Projekt wird nach Ablauf der LEADER-Förderung von der Ënnersauer a.s.b.l. in Kooperation mit der Gemeinde Mompach weiter gefĂŒhrt. Die FlĂ€chen mit den gepflanzten BĂ€ume und StrĂ€ucher werden in Zukunft von den Mitgliedern der Ënnersauer a.s.b.l. gemĂ€ht, frei gehalten und gepflegt. Die StrĂ€ucher mĂŒssen je nach Trockenheit im FrĂŒhjahr und Sommer vor allem im ersten Jahr noch bewĂ€ssert werden. Eine erste TrĂŒffelernte ist nach fĂŒnf bis sechs Jahren zu erwarten. Das Projekt ist durch die lange Zeit bis ein erster Ertrag zu erwarten ist, per se langfristig angelegt. Erst nach 30 Jahren wird aus den StrĂ€uchern und BĂ€umen eine richtige Plantage entstanden sein, die es auch dann noch zu pflegen gilt.

Bei entsprechenden Anbau- und Absatzerfolgen kann langfristig gesehen sogar darĂŒber nachgedacht werden, die TrĂŒffelanbauflĂ€chen zu vergrĂ¶ĂŸern.

 

4. Daten und Fakten

 

ProjekttrÀger:

Ёnnersauer a.s.b.l.

 

Projektpartner:

  • MĂ«llerdaller Produzenten a.s.b.l.
  • 100% Luxembourg
  • Landwirte
  • Gastronomen
  • FeinkostlĂ€den
  • Ackerbauschule
  • Jugendorganisationen
  • Touristische Partner in der Region: SITs, Entente und ORT

 

Laufzeit:

August 2008 – Dezember 2014

 

Budget:

Gesamtausgaben: 35.000 €